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Menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit – diesem Ziel hat sich die ILO, die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen, mit der Verabschiedung ihrer „Decent Work Agenda“ im Jahr 1999 fest verschrieben. Anlässlich des Internationalen Tages des menschenwürdigen Arbeit am 7. Oktober 2024 richtet arbeit plus – Soziale Unternehmen Tirol den Blick auf „Decent Work“ im Kontext arbeitsmarktintegrativer Angebote.
Soziale Unternehmen fühlen sich sowohl den in der UN-Charta festgeschriebenen Menschenrechten (und hier insbesondere Artikel 23) als auch den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen grundlegend verpflichtet. Aus der tagtäglichen, praktischen Erfahrung in den Sozialökonomischen Betrieben, den Gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten und Beratungs- und Qualifizierungseinrichtungen wissen wir, dass „Decent Work“ einer der wesentlichen Schlüssel zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist. Das Entwicklungsziel 8 („Nachhaltiges, integratives Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit“) und weitere arbeitsrelevante Aspekte, die in die restlichen 16 SDGs eingebettet sind, gehören zu den Kernaufgaben Sozialer Unternehmen.
Um die vier Säulen der ILO-Agenda für menschenwürdige Arbeit (Beschäftigung, sozialer Schutz, Rechte bei der Arbeit und sozialer Dialog) umzusetzen, räumen die engagierten Mitarbeiter:innen der 12 Sozialen Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus Tirol durch Angebote psychosozialer Beratung gemeinsam mit ihren Klient:innen Tag für Tag Hindernisse aus dem Weg, die einem Zugang zu fairer Beschäftigung entgegenwirken. Dazu zählen u.a. mangelnde Sprachkenntnissen oder mangelnde formale Bildung und Qualifikationen, psychische oder physische gesundheitliche Herausforderungen, Schulden, Gewalterfahrungen oder fehlende Kenntnis der Perspektiven.
In Sozialökonomischen Betrieben und Gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten werden vor allem sozial nachhaltige Ergebnisse als Maßstäbe von Produktivität herangezogen.
Soziale Unternehmen sind bestrebt, Modelle zu entwickeln, die sich an den unterschiedlichen Lebensphasen der Mitarbeitenden orientieren. Sie verstehen sich als Innovationslabore neuer Arbeitszeit- und Arbeitsorganisationsmodelle, die Vereinbarkeit ermöglichen und legen großen Wert auch ein gesundes Arbeitsumfeld.
Das Streben nach Chancengleichheit und Gleichbehandlung ist fest in der DNA Sozialer Unternehmen verankert. Während menschenwürdige Arbeit und Menschenrechte für alle Menschen überall gewährleistet werden müssen, gibt es Gruppen von Menschen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, da sie sich mit Diskriminierung konfrontiert sehen. Beispielsweise müssen sich Frauen weltweit nach wie vor am Arbeitsplatz mit anhaltenden Ungleichheiten in Bezug auf Gehalt (und in Folge Pensionen) , Entwicklungschancen sowie Gesundheits- und Sicherheitsaspekten befassen. Besonders jene Projekte im Netzwerk von arbeit plus Tirol, die sich gezielt an Frauen richten, versuchen, diesen Ungleichheiten entgegenzuwirken. Sie informieren Frauen über ihre Rechte, empowern sie mit Wissen, brechen stereotype Rollenklischees in Bezug auf Berufswahl auf und unterstützen mit Qualifizierungsangeboten.
Aktive Arbeitsmarktpolitik erweist sich als probates Mittel, das der Agenda 2030 in allen Belangen im Kontext von Arbeit zuträglich ist. Besonders in Zeiten, in denen die Arbeitslosenzahlen wieder stetig steigen, ist es uns ein dringliches Anliegen, auf die tragende Rolle, die Soziale Unternehmen zur Erfüllung des SDGs 8 spielen, zu verweisen.
Um weiterhin dabei zu unterstützen, beispielweise in Kooperation mit Städten und Gemeinden regionale und lokale Wirtschaftskreisläufe zu fördern, um Jugendliche beim Jobeintritt zu unterstützen, Frauenbeschäftigung und die Erwerbsintegration Älterer zu erhöhen, Green Skills zu vermitteln um der Nachfrage im Bereich klimarelevanter „Green Jobs“ gerecht zu werden, um demografisch bedingten Anforderungen (Landflucht, Anstieg an älteren Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, etc.) zu begegnen und um Antworten auf Teuerung, Inflation, Armutsgefährdung und Prekarisierung zu entwickeln sind wir auf unsere Kooperationspartner:innen angewiesen.
So etwa auf das AMS Tirol, mit dem wir uns gemeinsam intensiv der Weiterentwicklung von Bildungs- und Beschäftigungsangeboten für arbeitslose Menschen widmen. Zwei wegweisende Studien stehen dabei im Mittelpunkt: Das Projekt LERNweiter unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Bernd Gössling (Universität Innsbruck), konzentriert sich auf die Förderung von Selbstlernkompetenzen von geringqualifizierten Menschen. Die Studie Teilhabechancen Tirol 2030 (prospect), untersucht die Weiterentwicklungspotenziale Sozialer Unternehmen für arbeitsmarktferne Menschen mit eingeschränkter Belastbarkeit. So ist auch der Zukunftsdialog „Teilhabechancen Tirol“, der am 7. Oktober in Innsbruck stattfindet, auf die Förderung der Arbeitsmarktteilhabe dieser Menschen ausgerichtet.
arbeit plus Tirol Geschäftsführerin Melanie Spangler appelliert an die politischen Entscheidungsträger:innen:
„Aktive Arbeitsmarktpolitik ist ein probates Mittel, um ‚menschenwürdige Arbeit‘ für benachteiligte Menschen hier in Österreich zur Realität werden zu lassen. Um dieser Zielsetzung beizusteuern, brauchen Soziale Unternehmen ausreichende finanzielle Mittel und (Planungs-) Sicherheit. Demnach muss Aktive Arbeitsmarktpolitik zentrales Thema der Koalitionsverhandlungen einer zukünftigen Regierung sein.“
Aktionsplan zur europäischen Säule sozialer Rechte
Agenda für menschenwürdige Arbeit (IAA: Decent Work (Bericht des Generaldirektors), Internationale Arbeitskonferenz, 87. Tagung, Genf, 1999)
Länderprofil Menschenwürdige Arbeit in Österreich (Internationale Arbeitsorganisation, 2009)
Decent Work – Gute Arbeit (Gurny, 2011)